Die Dollar-Krise: Welche Staaten unter Druck geraten

Die Dollar-Krise: Welche Staaten unter Druck geraten

  • September 2018

Die Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve zeigen weltweit Wirkung: In vielen Schwellenländern geraten die Währungen unter Druck, weil der Dollar wegen der Zinspolitik härter geworden ist. Die meisten der Emerging Markets haben eine hohe Auslandsverschuldung – und diese zu einem signifikanten Teil in Dollar-Krediten.

Die Logik der Spirale ist klar: Die Schulden werden teurer, das Wachstum verliert an Dynamik und am Ende besteht überall Crash-Gefahr.

US-Präsident Donald Trump hat die Lage in seiner vorgeblichen Kritik an der Fed zutreffend beschrieben: Er sagte, er finde die Zinserhöhungen nicht gut, weil sie die Konjunktur in den USA beeinträchtigen. Es sei nicht angemessen, wenn die Banken immer nur ihre Hand aufhielten. Wenn es schlecht geht, nehmen sie vom Staat, wenn es gut läuft von Konsumenten, Unternehmen und Sparern. Außerdem mache der starke Dollar den US-Unternehmen bei den Exporten Schwierigkeiten. Trump schien sogar so weit zu gehen, die Verstaatlichung der Fed zu erwägen.

Wie dialektisch das System funktioniert, zeigt der zweite Teil der Trump-Kommentare zur Fed, der sich auf den Dollar bezieht: Trump sagte, als amerikanischer Privatmann und Unternehmer habe er sich immer über einen starken Dollar gefreut, weil er dann billig in Irland Golfplätze kaufen konnte.

Genau an diesem Punkt finden sich heute die Gläubiger der Dollar-Schuldner: Sie können sich ausgesprochen billig an die Assets machen, wenn ihre Schuldner in Schwierigkeiten geraten. Von diesem globalen „Käufermarkt“ profitieren nicht nur die US-Unternehmen und Banken, sondern alle „global player“, also auch jene aus Russland oder China. Die Russen haben den Vorteil, dass all ihre Energie-Geschäfte in Dollar abgewickelt werden und sie daher von einer starken US-Währung profitieren. Die Chinesen haben eben erst begonnen, massiv Dollar-Anleihen zu begeben, weil auch ihre globale Akquisitionsstrategie mit einem starken Dollar billiger wird. China hält darüber hinaus einen hohen Anteil an US-Staatsanleihen und hat kein Interesse an einer Schwächung des Dollar. Das hat die Führung in Peking auch, wenngleich ideologisch verbrämt, offiziell zu Protokoll gegeben.

Die „Dollar-Krise“ ist also nicht eine Krise des Dollar, sondern eine globale Krise, die durch den Dollar als Weltleitwährung ausgelöst wird. Die große Unbekannte ist die Inflation: Niemand kann genau sagen, in welcher Geschwindigkeit und an welchen Orten sich die Inflation auf dem Globus ihren Weg bahnt. Es ist unstrittig, dass die Folge eines Währungsverfalls eine Inflation ist. Die Türkei hat innerhalb weniger Monate 18 Prozent Inflation erreicht. Die Fed wird ihre Schlagzahl wegen der Midterm-Wahlen im November etwas drosseln – vermutlich auch, um die Wirkungen ihrer Politik zu evaluieren. Spätestens im Dezember dürfte die Entwicklung an Fahrt gewinnen. Zahlreichen Staaten, Unternehmen, Anlegern und Privatpersonen in aller Welt könnten unter Druck geraten.

Die Zeit der Vorbereitungen auf den globalen Märkten ist relativ kurz. Denn die Dollar-Krise entwickelt sich wie eine Lawine. Es ist schwer vorherzusehen, welchen Kurs sie nimmt.

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