Kryptowährungen: Falle oder neue Freiheit?

Kryptowährungen: Falle oder neue Freiheit?

  • Januar 2018

Die Kryptowährung Bitcoin hat im Jahr 2017 alle anderen Anlageklassen überflügelt. Selbst Privatanleger stecken mittlerweile Geld in die digitale Währung. Das Investment brachte im vergangenen Jahre eine Rendite von sagenhaften 1.353 Prozent. Im Vergleich: Die zweiterfolgreichste Anlage, Kupfer, schaffte ein Plus von 30 Prozent.

Politiker und Aufsichtsbehörden rund um den Globus wollen den bislang völlig unregulierten Handel zügeln. So soll es etwa in der EU strengere Regeln für Handelsplattformen geben, auf denen Kryptowährungen gehandelt werden. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire will die Regulierung des virtuellen Geldes sogar auf die Agenda des kommenden G20-Gipfels im April setzen. Gleichwohl schließen Marktteilnehmer nicht aus, dass der Bitcoin-Preis weiter steigt. Analysten der Saxo Bank halten einen Kurs von 60.000 Dollar für möglich.

Kritiker befürchten dagegen, dass ein Bitcoin-Crash weite Kreise ziehen könnte. So kommt eine Untersuchung der Anglia Ruskin University, des Trinity College Dublin und der Dublin City University zu dem Schluss: Sollte die Spekulationsblase der Kryptowährungen platzen, könne die Verkaufswelle auf die traditionellen Finanzmärkte überschwappen. Auch die seit Dezember handelbaren Bitcoin-Future seien nicht ohne Risiko für die Wirtschaft, warnt der Chef des Handelshauses Interactive Brokers, Thomas Peterffy. Sollten durch hohe Schwankungen bei den Terminkontrakten Derivate-Häuser ins Straucheln geraten, könnte das eine Lawine auslösen und die Realwirtschaft destabilisieren.

Philipp Sandner, Professor am Frankfurt School Blockchain Center, verweist dagegen auf den mit insgesamt 618 Milliarden Dollar relativ geringen Marktwert der mittlerweile fast 1400 verschiedenen Kryptowährungen. „Das Gesamtvolumen der Internet-Blase Ende der 1990er Jahre war 20 bis 30 Mal höher.“ Auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wird auf das bislang eher geringe Marktvolumen der Cyber-Währungen hingewiesen. Die EZB verfolge ihre Entwicklung aber genau, da sie sich sehr schnell verbreiten könnten, räumt EZB-Direktor Benoit Coeure ein. „Vor allem in Ländern, die sich von Münzen und Banknoten wegbewegen.“

Die US-Börsenaufsicht SEC schließt sich den Warnungen an. Sie verwies darauf, dass im Zusammenhang mit Bitcoin viele Vorschriften nicht befolgt würden. Die SEC gehe Verstößen nach. Es bestehe aber ein „erhebliches Risiko“, dass die Aufsicht Anlegern nicht dabei helfen könnte, verlorenes Geld zurückzubekommen.

Wie machtlos die Staaten sind, zeigt das Beispiel Chinas: Bei einem Treffen mit staatlichen Internet-Finanzaufsehern teilte die die chinesische Zentralbank Ende Dezember mit, dass sie auf die stromintensive Erzeugung von Bitcoin im sogenannten Mining keinen direkten Einfluss nehmen könne. Der Handel mit Bitcoin ist in der Volksrepublik allerdings mittlerweile nicht mehr möglich: Die in Peking ansässigen Krypto-Börsen schlossen im September.

Eine Reaktion der Zentralbanken könnte jedoch sein, den Boom bei den Kryptowährungen zu nutzen und selbst auf Blockchain basierendes Geld auszugeben. Notenbanken könnten versuchen, eigene Cyber-Devisen zu schaffen. Vereinzelt geschieht das schon. So untersucht etwa Schwedens Notenbank die Entwicklung einer digitalen Krone, der „eKrona“. Auch Australiens Notenbank steht derartigen Ideen offen gegenüber.

Bei der Bundesbank in Frankfurt ist man aber eher skeptisch, was digitales Zentralbankgeld angeht. Die Bundesbank hält laut ihrem Bargeld-Direktor Carl-Ludwig Thiele digitales Zentralbankgeld „in einem vorhersehbaren Zeitraum für keine realistische Option.“ Ein Grund: In Schweden werde echtes Bargeld kaum noch akzeptiert – für Deutschland und den Euro-Raum gelte dies aber nicht. Noch nicht muss man sagen, denn digitale Währungen könnte über kurz oder lang das Bargeld ersetzen. Anonymes Zahlen würde damit unmöglich – ein Traum für Steuerbehörden und andere staatliche Institutionen.

 

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