Mensch oder Maschine: Die Zukunft der Arbeit

Mensch oder Maschine: Die Zukunft der Arbeit

  • Dezember 2014

Der technologische Fortschritt könnte in den nächsten Jahren mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze in der EU überflüssig machen. Künstliche Intelligenz, lernende Maschinen und mobile Roboter werden viele Arbeiter in allen Branchen ersetzen. Berechnungen des Think Tanks Bruegel legen den Schluss nahe, dass zunächst der Niedriglohnsektor und damit minderqualifizierte Arbeiten betroffen sein werden.

Während in den USA etwa 47 Prozent der Jobs in den kommenden Jahren durch Automatisierung wegfallen, liegt die Prozentzahl in der EU bei 54 Prozent. Für Deutschland rechnet Bruegel, dass 51 Prozent aller Jobs betroffen sein könnten. Damit liegt der Anteil der gefährdeten Jobs in der Bundesrepublik höher als in den skandinavischen Staaten, doch deutlich niedriger als in den südlichen und östlichen Ländern der EU: In Rumänien könnten durch die fortschreitende Automatisierung sogar 61 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen.

Ob Selbstbedienungskassen im Supermarkt oder Fertigungsroboter in der Autoindustrie: Die technologische Revolution wird in der Arbeitswelt den Lohndruck verschärfen. Denn es gilt: Je höher die Chance zur Automatisierung in einem Bereich ist, desto geringer ist das Gehalt für den entsprechenden Beruf. Umgekehrt verzeichnen Berufe mit dem größten Grad der Präzision, Kreativität und Originalität die höchsten Gehälter.

Doch auch Top-Jobs könnten dank der technologischen Revolution von Robotern erledigt werden. Immer bessere Chips machen Maschinen immer leistungsfähiger. Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, wie die Automatisierung den amerikanischen Arbeitsmarkt verändert hat: Immer stärker dringen Roboter in Bereiche vor, die bisher Facharbeitern vorbehalten waren.

Durch künstliche Intelligenz können nämlich inzwischen nicht mehr nur körperliche Arbeiten, sondern zunehmend auch intellektuell anspruchsvollere Tätigkeiten automatisiert werden. Chirurgen bekommen durch Präzisions-Roboter im Operationssaal Konkurrenz. Selbstfahrende Autos könnten bald hunderttausende Fernfahrer überflüssig machen, Computer-Hotlines die Telefon-Verkäufer.

Schon heute sind die vom Computer entwickelten Programme den situativen Denkleistungen der Menschen überlegen. Der Buchautor und Sprecher des Chaos Computer Clubs, Frank Rieger, beschreibt in einem Interview mit der Technology Review, wie maschinengesteuert heute schon ein Call Center ist – obwohl sich am Ende der Leitung eine menschliche Stimme meldet: „Wenn man den Leuten im Callcenter über die Schulter schaut, sieht man, dass die in vielen Fällen Skripte von Computern abarbeiten. Die sind nichts weiter als das Sprachinterface für die Software. Die selektieren auf dem Bildschirm die Art des Problems. Dann bekommen sie eine Liste mit potenziellen Fragen, aus der sie auswählen. Und die Antworten führen zu neuen Fragen. Alles skriptgesteuert. Deswegen funktioniert das ja. Nur deswegen kann man solche Geschäftsprozesse nach Indien auslagern.“

Die neue Welle der Automatisierung wird zwangsläufig das soziale Gefüge in den westlichen Demokratien verändern: Beschleunigt durch den Freihandel, deren große transatlantische Meilensteine CETA und TTIP von der EU mit den USA und Kanada eingerammt werden, wird sich der Druck auf den Niedriglohnsektor erhöhen. Zugleich wird es zu einem globalen Wettlauf um die Top-Jobs kommen. Die Mitarbeiter werden sich in diesem Wettlauf auch mit dem Computer messen müssen. Zugleich eröffnet die Entwicklung auch Chancen en masse: Bis 2020 werden diversen Prognosen zufolge auch in Europa hunderttausende neue IT-Experten benötigt, um die neuen, intelligenten Maschinen zu programmieren.

Sind Sie an dieser oder einer anderen Ausgabe aus unserem Archiv interessiert? Dann schreiben Sie uns eine Email mit der genauen Ausgabennummer, dem Titel und der gewünschten Stückzahl an:
leserservice@deutsche-wirtschafts-nachrichten.de